Rezensionen | Teufelhörner und Lustäpfel

teufel

Textauszüge

  • Mit Fellröcken bedeckte Gott die Blöße unserer ungehorsamen Ureltern nachdem sie aus dem Paradies verstoßen waren (…). Misstrauisch betrachteten die Theologen jahrhundertelang jeden Versuch, das Notwendige zu überschreiten. Ihre Kritik ist für uns eine ergiebige Quelle zur Geschichte der Mode. Gundula Wolter (…) kommentiert so amüsant wie fundiert, Texte und Bilder zu allem, was sich Männer und Frauen zwischen 1150 und 1620 einfallen ließen, um schön verpackt zu sein (…).
    (Sigrid Metken, Süddeutsche Zeitung, 20. Juni 2003)
  • Mit der Publikation von Gundula Wolter liegt zum ersten Mal eine eingehende Analyse der wichtigsten Primärquellen von Satiren, Flugblättern, Pamphleten und Karikaturen vor. Dadurch deckte die Autorin auch einige, in der Sekundärliteratur immer wieder zitierte, falsche oder ungenaue Zusammenhänge auf, wie die des angeblichen „Modeteufels“ aus dem Winchester Psalter um 1150. Die Aufschlüsse, die die Primärquellen bieten, gehen weit über die Beschreibung von Kleidung hinaus und erlauben Rückschlüsse auf Bewertungen, Verhalten und Sprache durch die Kleidung. Sie lassen erkennen, wann und weshalb sich Bewertungsmaßstäbe und Sitten änderten (…). Auch macht Gundula Wolter Strategien und Intentionen der Kritiker deutlich (…). Für die Modehistorie am interessantesten ist wohl das Kapitel „Neue Kleider, neue Schnitte“, in dem die Autorin die Bedingungen für das Entstehen von schnell wechselnden Moden skizziert. Modische Übertreibungen lieferten stets die besten „Beweise“ für Unmoral und Luxus der Mode. Schließlich handelt das Kapitel „Anreizung böser Lüste“ von allen Äußerlichkeiten, die nach Ansicht der Kritiker, zur Unkeuschheit aufforderten. Um vor der sündigen Mode zu warnen, bediente sich die Kritik sogar der Darstellung abnormer Geburten als Gotteszeichen. Umfassende Untersuchungen wie diese sind nur als geförderte Forschungsprojekte möglich und kamen durch Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung zustande. Diese vorbildliche Aufarbeitung eines bedeutsamen Kapitels der Mode- und Kulturgeschichte endet somit nicht mit 1620, sondern stellt den ersten Band einer auf fünf Bände konzipierten Reihe dar. Man darf sich schon jetzt auf die weiteren Publikationen freuen.
    (Ingrid Loschek, Bayrisches Jahrbuch für Volkskunde 2003)
  • Wolters Arbeit über die Modekritik im Mittelalter und Früher Neuzeit ist als erster von fünf geplanten Bänden über modekritische Text- und Bildquellen konzipiert (…). Zu Wort kommen v. a. die Tadler und Sittenrichter, die bis Ende des 15. Jahrhunderts aus religiösen Gründen, danach vorwiegend aus einer bürgerlich ökonomischen Interessenslage vor vestimentärer Hoffart, Prunksucht und Unmoral warnen (…). Die hervorragenden, präzise akzentuierten Bildbeschreibungen stehen bei dieser Analyse – der betrachteten Zeit entsprechend, die Schriftlichkeit gerade erst entdeckte – im Zentrum und lassen Wolters Publikation über viele thematisch nahe liegende Veröffentlichungen herausragen.
    (Sabine Trosse, Zeitschrift für hessische Geschichte und Landeskunde, Bd. 108/2003)
  • Gundula Wolter hat ein ungemein anregendes Buch geschrieben, das nicht nur durch große Klarheit in der Argumentation und wohltuende Ferne vom akademischen Stil besticht, sondern auch durch die Erschließung von bisher weitgehend unbekannten bzw. schwer zugänglichen Bildern und Texten. Arbeiten wie Ribeiros „Dress ans Morality“ von 1986 werden dadurch hervorragend ergänzt. Man darf auf die Fortsetzung gespannt sein.
    (Thomas Lüttenberg, hsozkult/geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=3087)
  • Moralapostel warnten zu allen Zeiten vor neuen Modetrends: In den 1960er Jahren vor dem Minirock, in der frühen Neuzeit vor Schnabelschuhen. In ihrem Buch „Teufelshörner und Lustäpfel – Modekritik in Wort und Bild 1150-1620“ beschäftigt sich Gundula Wolter intensiv mit der Modekritik jener Jahrhunderte und arbeitet die Argumente und Intentionen der Kritiker heraus. Die Kirche prangerte modische Kleidung als Zeichen der Todsünden Hoffart, Eitelkeit und Stolz an. Die weltliche Obrigkeit dagegen rügte aus Sorge um die Gesellschaftsordnung die bürgerliche, unstandesgemäße Extravaganz: Bürger, die sich so prächtig wie Adlige kleideten, verwischten damit gesellschaftliche Unterschiede. Wolter charakterisiert besonders anstößige Modetrends – Hörnerhauben oder üppige Halskrausen – und die Kritik an ihnen. Obwohl das Buch sachlich geschrieben ist, entsteht durch die vielen Zitate und Abbildungen ein lebendiges Bild der Sitten- und Moralvorstellungen jener Zeit.
    (Muck, Carolin, wissenschaft.de/rezensionen/buecher/teufelshoerner-und-lustaepfel-modekritik-in-wort-und-bild-1150-1620/)